Wir leben in Zeiten der Veränderungen. Wir werden täglich mit Informationen konfrontiert, deren Auswirkungen wir nicht abschätzen können und deren Inhalt uns Angst bereitet. Das "Karussell" der Veränderungen dreht sich immer schneller und wir haben zunehmend Mühe dem Tempo zu folgen. Ab dem 1. Januar 2012 gilt das revidierte Krankenversicherungsgesetz. Die Auswirkungen der Revision werden heftig diskutiert, deren Auswirkungen sind aber nicht wirklich absehbar. Mit Sicherheit sind wir als Ärztinnen und Ärzte, als Gesundheitsfachleute davon betroffen. In dieser Zeit der Unsicherheit und Veränderung soll der Quadrimedkongress dieses Jahr ein Moment zum Innehalten sein. Konfrontieren wir uns doch mit Themen, denen wir in der Vergangenheit vielleicht ausgewichen sind, die uns nicht interessiert oder deren Inhalte wir sogar abgelehnt, die uns vielleicht auch geängstigt haben.
Die Medizin hat sich in den letzten 200 Jahren seit der Aufklärung rasant entwickelt, wir feiern heute medizinische Erfolge, die vor einer Generation noch undenkbar schienen. Darauf dürfen wir zu recht stolz sein. Trotzdem stelle ich in Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen, mit Patientinnen und Patienten und mit Freunden immer mehr Unsicherheiten fest. Vielleicht hat das rasante Tempo der medizinischen Entwicklung uns auch überrollt. Oftmals wird bemerkt, dass Werte und Einsichten verloren gingen. Wissen wir eigentlich noch was wir tun? Was heisst denn gesund oder krank sein. Haben wir noch den Glauben an das Gute im Menschen, in die Natur, in die Medizin. Finden wir noch die Ruhe, uns zu hinterfragen, uns neue Horizonte zu öffnen? Sind wir noch fähig, uns unserem Schicksal zu stellen?
Der diesjährige Quadrimedkongress verlässt für einmal, nicht nur mit dem Titel, ausgetretene Pfade. Wir haben die Themenvielfalt weit geöffnet und ich lade Sie herzlich dazu ein, uns in ein Kaleidoskop der Möglichkeiten zu begleiten. Wir schlagen den Bogen von der ältesten bekannten Heilmethode, dem Schamanismus bis in die Zukunft, welche vielleicht bereits begonnen hat, am Beispiel der Robotik und der Nanotechnologie. Wir fragen uns kritisch ob diese Methoden noch aktuell sind, ob sie wieder aktuell sind oder ob sie möglicherweise aktuell werden. Daneben hat es aber auch Platz für philosophische Überlegungen, für Fragen aus dem täglichen Alltag und für Vertiefungen in verschiedensten Spezialdisziplinen.
Ich danke meinen Kollegen vom wissenschaftlichen Komitee für den Mut den sie gezeigt haben diesen Weg zu beschreiten. Ich bedanke mich bei allen Referentinnen und Referenten für die Bereitschaft und den Mut, sich in kontroversen Themen der kritischen Auseinandersetzung zu stellen. Ich wünsche mir, dass der diesjährige Quadrimedkongress für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Bereicherung darstellt. Ich hoffe, Sie finden Anregungen für Ihre tägliche Arbeit. Und vielleicht entdeckt ja der Eine oder Andere für sich ganz allein neue Wege und die Lust, diese zukünftig zu erforschen und zu beschreiten.
In diesem Sinne, herzlich willkommen in Crans-Montana am Quadrimedkongress 2012!
Dr. med. Stephan Eberhard
Kongresspräsident 2012
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